Erweiterung von Skigebieten – Nein Danke!

Symbolbild, Copyright: Dominik Schwahn

Viel wurde schon darüber berichtet und diskutiert – die Rede ist von Plänen zum Ausbau bzw. Zusammenschluss von Skigebieten im Alpenraum. Neu ist die Debatte ja nun wirklich nicht. Seit vielen Jahren schon tragen Europas Skigebiete einen offenen Wettstreit über die Vorherrschaft in puncto Pistenkilometer und Liftanlagen aus. Jedes Gebiet wittert die Chance, durch Neuerschließungen die neue Nummer 1 zu werden. Skigebietszusammenschlüsse sind in diesem Zusammenhang überhaupt der große Coup, bietet sich dadurch doch die Möglichkeit für einen ganz großen Sprung im Ranking der größten Skiresorts Europas. Das ist es also, was heutzutage zählt, das ist es, worauf die Skigebietsbetreiber stolz sind, das ist es, was die Gäste (anscheinend) wollen? Doch ist das wirklich so? Brauchen die Gäste wirklich hunderte Pistenkilometer, die man in einer Woche Skiurlaub – geschweige denn an einem einzigen Skitag – bewältigen kann?

Wir von POW können natürlich nicht beurteilen, welche Erwartungen „die Gäste“ an die Skidestinationen ihrer Wahl haben, was sie brauchen, damit sie den Skiort mit einem zufriedenstellenden Gefühl wieder verlassen, aber wir nehmen uns heraus, zu sagen, dass die Natur das definitiv nicht braucht! Die Gletscher brauchen keine Skifahrer und Snowboarder, die über sie „drüberfahren“ und erst recht keine Infrastruktur, die all das erst ermöglicht. Auch der Wald freut sich nicht, wenn der nächste Kahlschlag für die geplante Lifttrasse erfolgt. Dass Skipisten für die Umwelt auch nichts Gutes verheißen, ist wohl auch längst klar.

Die „Flucht nach oben“, also die Erschließung höher gelegener Gebiete als Reaktion auf den fortschreitenden Klimawandel und den damit verbundenen Anstieg der Schneefallgrenze, ist die Paradeausrede der Seilbahnbetreiber, um sich für etwaige Expansionspläne zu rechtfertigen. Fakt ist, niedrig gelegene Skigebiete sind langfristig weder konkurrenzfähig (wegen der oft niedrigeren Standards und den gestiegenen Ansprüchen der Wintertouristen) noch rentabel – die erhöhten Kosten für die künstliche Beschneiung der Skipisten können finanziell häufig nicht mehr gestemmt werden. Was zu bleiben scheint, ist die besagte „Flucht nach oben“. Doch auch das ist nicht eitel Wonne. So ist durch die exponiertere Lage häufiger mit witterungsbedingten Betriebsstillständen zu rechnen. Man denke dabei etwa an die enormen Windgeschwindigkeiten, die hoch zu Berge bei Weitem keine Seltenheit sind. Das klimawandelbedingte Auftauen des alpinen Permafrosts gefährdet zudem die (Seilbahn-) Infrastruktur.

Die Eingriffe in die Natur sind bei Skigebietserweiterungen klarerweise verheerend. Das beginnt beim Bau von Speicherseen für die „notwendigen“ Beschneiungsanlagen und endet beim Sprengen von Felsformationen, die den Erweiterungsplänen der Betreiber schlichtweg „im Weg stehen“. Man will den Touristen alles bieten – von beheizten Sesselliften über bestens präparierten (Kunstschnee-) Pisten bis hin zum perfekten Gipfelerlebnis auf der 360°-Panoramaplattform. Man sorgt sich, dass die Gäste ausbleiben, dass der Tourismus einbricht, dass die Skihotspots veröden. Aber sollten sich die Skigebietsbetreiber in Zeiten des globalen Klimawandels, Fridays for Future und „Flygskam“ [schwedisch für „Flugscham“: Umwelt-Trend, der das flugbedingte schlechte (Reise-) Gewissen thematisiert, Anm.] nicht eher sorgen, wie sie ihr Skigebiet (anderwertig) „fit“ für die nächsten Jahrzehnte machen können, wie sie sich in diesem Kontext von konkurrierenden Skigebieten abheben können? Wie wäre es denn zum Beispiel mit einem verbesserten Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln in die Skigebiete? Oder Rabatte auf die Liftkartenpreise für Gäste, die mit den „Öffis“ anreisen? Wie wäre es denn, wenn man vorhandenes Kapital in die Erneuerung – und damit in die Effizienzsteigerung – alter Liftanlagen investiert, anstatt ebendieses in überdimensionale Erweiterungsprojekte zu stecken? ERNEUERUNG – JA, ERWEITERUNG – NEIN DANKE!

Symbolbild, Copyright: Moritz Nachtschatt

Wir von POW positionieren uns eindeutig gegen den weiteren Ausbau oder Zusammenschluss von Skigebieten! Wir begrüßen Initiativen zur Verbesserung der (umweltfreundlichen) Mobilitätsangebote in den Skigebietsregionen und solche zur energieffizienteren Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Gleichsam unterstützen wir (auch in Zukunft) Bürgerinitiativen, die sich ebenfalls gegen den Ausbau von Skigebieten auflehnen, so wie die Bürgerinitiative Feldring, die sich gegen den Zusammenschluss der beiden Tiroler Gletscherskigebiete Pitztal und Ötztal stark machen. Wir von POW sind eine positive Bewegung, die nicht immer alles nur schlecht reden und Schwarzmalerei betreiben will. Wir zeigen nicht auf andere, die – aus unserer Sicht – Fehler machen. Wir zeigen auf die, die – aus unserer Sicht – gute und wichtige Akzente zur Entwicklung in die richtige (umwelt- und klimabewusste) Richtung setzen.

Seit der Saison 2019/20 ist das Salzburger Skigebiet Obertauern unser erster POW Partner. Aufgrund der Höhenlage gilt das Gebiet als schneereichster Wintersportort Österreichs und dementsprechend wenig künstlicher Schnee muss hier produziert werden. In dieser Saison soll das Bewusstsein zum nachhaltigen Umgang mit der Bergwelt forciert werden. Neben einigen Workshops für Skischulkinder, gibt es die Regelung, dass Gäste, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, einen Rabatt von 10 % auf den Skiverleih bekommen. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung – wir sind positiv gestimmt, dass noch viele weitere folgen werden und hoffen, dass auch andere Skigebiete diesem Beispiel folgen!

Author: Anna Siebenbrunner