Nachhaltig von Kopf bis Fuß

Sich frei in der Natur zu bewegen und ihr dabei möglichst wenig zu schaden – das sollte das Ziel der Bergsport-Community sein. Wir Bergsportler*innen sind in der Ausübung unserer Leidenschaft so sehr von der Natur abhängig, dass wir auch unsere Gewohnheiten, wie die Ausübung der Lieblingssportart, unsere Mobilität und vor allem den eigenen Konsum überdenken und in Frage stellen sollten, um die von uns geliebten Naturräume zu schützen. 

Es ist wichtig, über nachhaltige Angebote und Alternativen zu sprechen – vor allem auch im Bereich Outdoor-Kleidung und Ausrüstung. Deshalb zeigt dir POW Austria, worauf du beim Kauf von Sport- und Freizeit-Equipment achten kannst, um möglichst umweltbewusst und fair einzukaufen.

Begrifflichkeiten – was heißt das alles überhaupt?

Nachhaltig, öko, fair, umweltschonend hergestellt – vor allem in der Modebranche werden den Verkaufsartikeln immer mehr scheinbar positive Attribute verliehen. Verschiedene Gütesiegel und Zusatzleistungen, wie etwa “beim Kauf dieses Produkts wird ein Baum gepflanzt”, geben uns das Gefühl, der Welt mit unserem Konsum etwas Gutes zu tun. Und Materialien, die gut für die Umwelt sein sollen, sorgen auch für ein gutes Gewissen im Warenkorb. Doch was davon ist wirklich “nachhaltig”?

Zu Beginn ist es wichtig, sich im Dschungel der verschiedenen Nachhaltigkeitsbegriffe einen Überblick zu verschaffen. Generell kann bei Kleidung nämlich “nur” zwischen ökologisch bzw. nachhaltig produzierter Kleidung und sozial produzierter Kleidung unterschieden werden.

Das Ziel ökologisch hergestellter Kleidung ist es, die Natur bei der Produktion und Weiterverarbeitung so wenig wie möglich zu belasten. Die verwendeten Stoffe sind daher meist rein pflanzlich, recycelt oder upcycelt. Beim Anbau der Ressourcen wird in der Regel auf Pestizide verzichtet.

Bei der Produktion von fair hergestellter Kleidung wird hingegen auf humane Produktionsbedingungen geachtet. Das heißt, die Näher*innen bekommen einen existenzsichernden Lohn ausbezahlt und haben geregelte Arbeitszeiten. In fairen Produktionsstätten darf es keine Kinder- oder Zwangsarbeit geben und es wird auf ausreichend Arbeits- und Gesundheitsschutz geachtet. Leider ist dies in der Textilbranche eine Seltenheit – sie ist von Unterbezahlung und Missbrauch geprägt. 
Daher ist die Kombination aus ökologischer sowie fairer Herstellung, die sogenannte ökofaire Kleidung, die beste Variante, um nachhaltig einzukaufen. In der ökofairen Produktion wird laut Definition während des gesamten Herstellungsprozesses nachhaltig gedacht, gearbeitet und gelebt.

Gütesiegel – wie sich Nachhaltigkeit zertifizieren lässt

Um sicherzustellen, dass die Bedingungen unter denen ökologische, faire oder auch ökofaire Kleidung produziert wird, auch von den jeweiligen Firmen eingehalten werden, gibt es verschiedene Gütesiegel. POW stellt dir in diesem Blogartikel einige Gütesiegel vor und zeigt dir, welche Aspekte der Produktion sie zertifizieren.

GOTS

Das Siegel des „Global Organic Textile Standard“, kurz GOTS, definiert sowohl umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette als auch soziale Kriterien.
Um eine GOTS Zertifizierung zu erhalten, muss das Endprodukt aus mindestens 70% kontrolliert biologisch erzeugten Naturfasern bestehen. Die sozialen Mindestkriterien sind vereinfacht durch die neun Punkte der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) definiert:

  1. Keine Zwangsarbeit
  2. Keine Diskriminierung am Arbeitsplatz
  3. Keine Kinderarbeit
  4. Vereinigungsfreiheit
  5. Existenzsichernde Löhne
  6. Keine überhöht langen Arbeitszeiten
  7. Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen
  8. Rechtskräftige Arbeitsverträge
  9. Umsetzung und Transparenz

Diese neun Punkte müssen für den Erhalt des GOTS-Siegels stets eingehalten und regelmäßig überprüft werden. Die GOTS-Zertifizierung berücksichtigt also ökologische sowie soziale Aspekte und gilt somit als Siegel für die Herstellung ökofairer Kleidung.

IVN BEST

Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft, kurz IVN, vergibt verschiedene Siegel zur Zertifizierung nachhaltiger Textilien. Das BEST-Siegel steht dabei für die strengsten Richtlinien in ökologischer und sozialverantwortlicher Hinsicht.

Um das IVN BEST-Siegel zu erhalten, muss die Textilie zu 100% aus Naturfasern bestehen, die aus kontrolliert biologischem Anbau oder kontrolliert biologischer Tierhaltung stammen. Auch für die Weiterverarbeitung des Rohmaterials gibt es strenge Vorgaben, beispielsweise dürfen die verwendeten Stoffe keinesfalls krebserregend oder hormonell wirken und in den Ölen dürfen keine Schwermetalle enthalten sein. Der IVN kontrolliert zudem die Abwasserwerte und regelt den Färbe- und Druckvorgang von Textilien.

Zusätzlich zu den ökologischen Richtlinien verpflichtet sich auch das IVN BEST-Siegel zur Einhaltung der humanen Arbeitsbedingungen nach dem ILO. Somit zählt auch das IVN BEST Siegel zu jenen, die eine ökofaire Herstellung garantieren.

FairWear

Die Fair Wear Foundation, kurz FWF, die hinter dem Fair-Wear Siegel steht, setzt sich in erster Linie für einen Mindeststandard an fairen Arbeitsbedingungen in der Textilbranche ein. Durch die Definition genauer Richtlinien sowie die Durchführung regelmäßiger Kontrollen soll dieses Ziel erreicht bzw. nachhaltig gesichert werden. Dabei orientiert sich die FWF ebenfalls an den Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation.  

Das Fair-Wear Siegel garantiert somit eine Herstellung unter fairen Arbeitsbedingungen. Ökologische Aspekte werden in der Zertifizierung der FWF jedoch nicht berücksichtigt. Das Siegel zertifiziert also nur fair hergestellte Mode.

Blue Sign

Das von der Schweizer Firma Bluesign Technologies AG vergebene, gleichnamige Bluesign Siegel ist ein technologiebasiertes System, das sich für eine umweltfreundlichere Textilproduktion mit möglichst wenig freigesetzten Schadstoffen einsetzt. Bluesign zertifiziert zudem die nachhaltige Nutzung von Rohstoffen und Energie sowie eine möglichst geringe Wasserbelastung. Darüber hinaus setzt sich das System für eine moderne Abluftreinigung ein, um somit die Emission von Treibhausgasen zu verringern.

Jedoch wird das Bluesign-Siegel auch kritisiert. Beispielsweise bemängelte Greenpeace in der Vergangenheit immer wieder, dass gerade in der Textilproduktion der Outdoorbranche zu viele gefährliche Chemikalien eingesetzt und freigesetzt werden. Bluesign definiert zwar alle verbotenen oder reglementierten Substanzen klar mit Grenzwerten, doch laut Greenpeace seien diese zu hoch angelegt. Zudem ist das Bluesign Siegel ein Zertifikat, das sich zwar stark auf die Produktionstechnik bezieht, soziale Aspekte jedoch außen vor lässt. Somit zertifiziert das Bluesign, wenn überhaupt, nur eine ökologische Herstellung.

OekoTex 

Unter dem Label Oeko-Tex vergibt die „Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textil- und Lederökologie“ verschiedene Produktlabel und Zertifizierungen für Betriebsstätten. Eines der bekanntesten Siegel für Textilien ist dabei der „Standard 100 by Oeko-Tex“.

Das Siegel ist ein weltweit einheitliches System von Prüfmethoden, Prüfkriterien und Schadstoff-Grenzwerten, welches die gesundheitliche Unbedenklichkeit von Textilprodukten zertifizieren soll. Produkte, die den Anforderungen des Siegels entsprechen, dürfen mit der Kennzeichnung „Standard 100 by Oeko-Tex – Geprüft auf Schadstoffe“ versehen werden. Die Textilprodukte werden auf ihren Gehalt von gesundheitsgefährdenden oder umweltrelevanten Substanzen getestet und müssen einen hautfreundlichen pH-Wert vorweisen. 

Das Label Oeko-Tex ist eines der bekanntesten Textil-Gütesiegel, wird aber ebenfalls stark kritisiert. Oeko-Tex prüfe nur auf Schadstoffrückstände im Endprodukt, für Herstellung und Umweltschutz vergibt Oeko-Tex Standard 100 angeblich keine Auflagen und kann somit keinen nachhaltigen Produktionsprozess garantieren. Auch die soziale Komponente wird von „Standard 100 by Oeko-Tex“ nicht berücksichtigt. Wie Bluesign kann also auch Oeko-Tex, wenn überhaupt, eine ökologische Produktionsweise zertifizieren.

Fazit

Mit GOTS, IVN Best, FairWear, Bluesign und Oekotex haben wir nun einen Blick in die Zertifizierungen der Textil-Gütesiegel, die einem beim Kaufen von neuer Sportkleidung und -ausrüstung öfters unterkommen, geworfen. Es gibt aber auch noch viele weitere, zum Teil auch recht unbekannte Gütesiegel, mit denen Textilartikel ausgezeichnet werden können. 

Wichtig festzuhalten ist jedenfalls, dass die Gütesiegel nach verschiedenen Standards zertifizieren – man sollte die nachhaltige Wirksamkeit der Siegel daher stets auch etwas kritisch sehen. Nicht jedes Produkt, das mit einem Gütesiegel versehen ist, ist automatisch ökologisch oder sozial  unbedenklich – und umgekehrt.  Das heißt, es gibt auch viele Produkte am Markt, die zwar ökologisch, fair oder ökofair hergestellt wurden, jedoch nicht mit einem Gütesiegel versehen sind. Grund dafür ist, dass die Auszeichnung eines Produkts mit einem offiziellen Gütesiegel meist mit einem zeitlichen und vor allem finanziellen Aufwand verbunden ist. Kleine Textil-Unternehmen oder Start-Ups können sich die Zertifizierung oft nicht leisten – und auch das sollte man beim Kauf von neuer Kleidung im Hinterkopf behalten.

Quellen:

Global2000, Greenpeace, siegelklarheit.de, umweltberatung.at

Author: Lena Öller