Warum brauchen wir eigentlich Wälder?
Wälder sind weit mehr als eine Ansammlung von Bäumen. Sie sind komplexe, hochdynamische Ökosysteme, die zentrale Funktionen für unser Leben erfüllen – ökologisch, klimatisch und gesundheitlich. Außerdem: Wer Wälder schützt, schützt das Klima. Und umgekehrt.
Die Funktionen des Waldes: Ein System, das uns trägt
Wälder erfüllen eine Vielzahl an Funktionen. Sie dienen nicht nur der Holzgewinnung, sondern sind Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen-, Tier- und Pilzarten, schützen vor Naturgefahren, stellen Erholungsraum dar, erfüllen Zwecke der Luftreinigung und sind wichtige Wasserspeicher. Dementsprechend werden dem Wald im österreichischen Forstgesetz vier zentrale Funktionen zugeschrieben:
- Nutzfunktion: Nachhaltige Gewinnung vom Rohstoff Holz
- Schutzfunktion: Schutz vor Naturgefahren wie Lawinen, Steinschlag, Muren oder Erdrutschen
- Erholungsfunktion: Erholungsraum für Waldbesucher:innen
- Wohlfahrtsfunktion: Ausgleich des Klimas (Kohlenstoffaufnahme und -speicherung, Ausgleich des Wasserhaushalts, Reinigung und Erneuerung von Luft und Wasser sowie Erhalt biologischer Vielfalt)
Und ein gesunder Wald ist und bleibt der beste Klimaschützer: Er schützt vor Naturgefahren, reguliert das Klima, reinigt Luft und Wasser, stellt nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energiequellen bereit und bietet Tier, Mensch und Pflanzen einen unersetzlichen Erholungs- und Lebensraum.
Bedeutung von Wald für Gesundheit und Psyche
Spazierengehen im Wald reduziert das Stressempfinden. Es senkt Blutdruck und Herzfrequenz und vermindert Stresshormone im Blut. Wälder filtern und reinigen die Luft. Gleichzeitig ist es im Schatten der Baumkronen an heißen Tagen um bis zu 8 °C kühler als in der Stadt und etwa 6 °C kühler als im freien Land.
Darüber hinaus wirken Wälder antidepressiv, stressreduzierend und verbessern die kognitive Funktion. Sie stärken das Herz-Kreislauf-System sowie das Immunsystem. Positive Emotionen wie Wohlgefühl, Erfrischung, Entspanntheit und Vitalität steigen durch einen Waldbesuch, während negative Gefühle nachlassen.

Schutzwald – die unsichtbare Infrastruktur
Gerade in alpinen Regionen ist der Wald ein unverzichtbarer Schutzschild. Schutzwald wirkt auf unterschiedliche Weise: Der Standortschutzwald schützt den Standort selbst vor Erosion, Rutschungen und ähnlichen Prozessen und erhält damit Böden und wichtige Ressourcen. Der Objektschutzwald hingegen schützt Menschen, Siedlungen, kultivierten Boden und Infrastrukturen vor Elementargefahren wie Lawinen oder Steinschlag.
Schutzwald hat in besiedelten Gebirgsregionen einen besonderen Stellenwert. Ohne ihn wäre ein Leben beispielsweise in den Alpen weitgehend nicht möglich. In Österreich sind circa 42 % der Waldfläche als Schutzwald kategorisiert, rund 16 % sind Objektschutzwald. In Tirol sind sogar mehr als 70 % der Waldfläche Schutzwald, der vor Naturgefahren schützt.
Das ist besonders relevant, da Österreich stark gefährdet ist: Es gibt rund 2.400 siedlungsgefährdende Wildbäche und 1.700 Lawinen, während weniger als 12 % der Landesfläche dauerhaft besiedelbar sind. Jede vierte in Österreich lebende Person profitiert direkt von den Schutzwirkungen des Waldes. Ohne diese Schutzfunktion könnten knapp 50 % des Lebens- und Wirtschaftsraumes des Landes nicht genutzt werden.
Der Wald im Klimawandel
Die Auswirkungen des Klimawandels auf Wälder sind vielfältig und bereits deutlich sichtbar:
- Extremwetterereignisse wie Stürme, Dürreperioden, Waldbrände, Schneebruch und Starkniederschläge nehmen zu und schwächen den Wald
- Geringerer Niederschlag in Kombination mit höheren Temperaturen führt zu Trockenstress, der Wachstum und Mortalität beeinflusst
- Die Abwehrmechanismen der Bäume werden eingeschränkt, wodurch sie anfälliger für Schädlinge werden
- Höhere Temperaturen – insbesondere im Frühjahr und Sommer – begünstigen Schädlinge wie den Borkenkäfer, der sich unter diesen Bedingungen besser entwickeln kann
Warum sollten wir Wälder schützen?
Auf der einen Seite bleiben all die genannten Funktionen nur erhalten, wenn Wälder geschützt und stabil gehalten werden. Auf der anderen Seite haben Wälder auch eine zentrale Rolle im Klimaschutz, da sie Kohlenstoff speichern, das Klima regulieren und Ökosysteme stabilisieren.
Bedeutung des Waldes als CO₂-Senke
Wälder spielen eine zentrale Rolle im globalen Klimasystem: Sie binden den im CO₂ enthaltenen Kohlenstoff im Holz der Bäume und im Waldboden. Österreichs Wald speichert auf einer Fläche von vier Millionen Hektar – rund 48 % der Staatsfläche – etwa 985 Millionen Tonnen Kohlenstoff in Biomasse und Boden.
Verbleiben abgestorbene Bäume im Wald, wird ihr Holz von Mikroorganismen zersetzt und der gebundene Kohlenstoff wieder als CO₂ an die Atmosphäre abgegeben. Auch bei energetischer Nutzung des Holzes als Brennstoff wird CO₂ freigesetzt.
Eine nachhaltige Waldbewirtschaftung trägt jedoch zur Einsparung von CO₂-Emissionen bei: Kohlenstoff, der im geernteten Holz gespeichert ist, bleibt durch die Nutzung in langlebigen Holzprodukten gebunden. Zudem unterstützt ein artenreicher Wald mit vielfältigen Bodenlebewesen die langfristige Speicherung von Kohlenstoff im Waldboden.
Grundsätzlich dämpfen Wälder und Böden die Klimaerwärmung, indem sie jedes Jahr rund 30 % der weltweit anfallenden CO₂-Emissionen binden. Diese Speicherfunktion gerät jedoch zunehmend unter Druck: Durch Dürren und Brände wurden Wälder in den vergangenen Jahren vielerorts zu Kohlenstoffquellen.
Auch in Österreich zeigt sich diese Entwicklung: Über Jahrzehnte war der Wald eine starke CO₂-Senke und nahm mehr Kohlendioxid auf, als er abgab. Im Jahr 2000 wurden netto 18,6 Millionen Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre gebunden. In der jüngsten Treibhausgasbilanzen zeigt sich jedoch, dass der Wald mehr CO₂ ausgestoßen als aufgenommen hat. Gründe dafür sind der Klimawandel, steigende Temperaturen, Trockenheit, schnellerer Abbau organischer Substanz im Boden sowie Schäden durch Stürme und Borkenkäfer.
Warum wir als Ski- und Radfahrende uns – noch mehr – um den Schutz des Waldes einsetzten sollten:

Für viele von uns ist der Wald nicht nur ein abstraktes Ökosystem, sondern ein Ort, den wir aktiv erleben.
Als Radfahrer:innen spüren wir die kühlende Wirkung des Waldes direkt – auf langen Anstiegen, bei Hitze, in staubigen Sommern. Wälder spenden Schatten und schaffen ein Mikroklima, das unsere Leistungsfähigkeit beeinflusst. Gleichzeitig stabilisieren sie Trails, verhindern Erosion und machen viele Wege überhaupt erst befahrbar. Im Kontext von Steinschlag wirken Bäume als natürliche Barrieren. Ein dicht bestockter Wald mit starken Stämmen kann stürzende Steine abbremsen oder zum Stillstand bringen.
Als Skifahrer:innen und Snowboarder:innen sind wir auf intakte Schutzwälder angewiesen. Sie verhindern Lawinenanbrüche, sichern Hänge und schützen Täler. Gleichzeitig sind junge Wälder extrem empfindlich: Schon kleine Schäden durch Skikanten können langfristige Folgen haben. Obwohl Skifahren im Wald in Österreich grundsätzlich erlaubt ist, gilt deshalb ein Verbot für das Befahren von Verjüngungsflächen mit Bäumen unter drei Metern Höhe. Zusätzlich gibt es ausgewiesene Schutzzonen, die besonders sensible Objektschutzwälder betreffen und in Tourenportalen gekennzeichnet sind. Wer abseits unterwegs ist, bewegt sich also immer auch in einem sensiblen System.
Und nicht zuletzt: Ohne gesunde Wälder verändert sich unsere gesamte Outdoor-Welt – von schneearmen Wintern bis hin zu unbefahrbaren Trails nach Extremwetter.
Wie sieht der Wald der Zukunft aus?
Um Wälder widerstandsfähig zu machen, sind gezielte Maßnahmen notwendig: Die beste Form der Risikovorsorge ist dabei Artenvielfalt. Eine hohe Biodiversität reduziert das Schädlingsrisiko und trägt maßgeblich zu einer stabilen Tier- und Pflanzenwelt bei.
Eine zentrale Rolle spielt die Vielfalt bei der Aufforstung. Wälder müssen sich möglichst rasch an veränderte klimatische Bedingungen anpassen, was natürlicherweise sehr langsam geschieht. Durch gezielte Pflanzung geeigneter Baumarten kann diese Anpassung beschleunigt werden. Auch die Bewirtschaftung spielt eine Rolle: Schonender Holzschlag ist entscheidend, da schwere Maschinen empfindliche Waldböden verdichten können.
Der Klimawandel wird das Waldbild langfristig verändern:
Einerseits verschiebt sich die Baumgrenze nach oben. Denn Wälder in tieferen Lagen, insbesondere unter 1.000 Metern Seehöhe, stehen unter starkem Anpassungsdruck. Gebirgswälder in höheren Lagen können hier hingegen teilweise vom Klimawandel profitieren
Andererseits wird das Waldbild vielfältiger und bunter werden. Mischwälder gelten als deutlich resilienter gegenüber Umwelteinflüssen als Monokulturen. Baumarten, die bisher weniger verbreitet waren, werden an Bedeutung gewinnen, darunter Zirbe, Eiche, Ahorn und Linde. Gleichzeitig wird die Fichte – aktuell etwa 60 % – auf rund 40 % zurückgehen. Das liegt unter anderem daran, dass die Fichte als Flachwurzler anfällig für Stürme und Trockenheit ist. Alternativen sind:
- Lärche mit Herzwurzelsystem, die als sturmstabil gilt
- Weißtanne mit tiefreichenden Wurzeln von bis zu 2–3 Metern, die besser mit Trockenheit zurecht kommt
- Buche, die ebenfalls trockentoleranter ist
Fazit
Der Schutz von Wäldern ist untrennbar mit Klimaschutz verbunden. Intakte Wälder sichern langfristig die Stabilität von Ökosystemen und tragen maßgeblich zur Regulierung des Klimas bei. Naturschutz und Klimaschutz sind damit gemeinsam zu denken.
Egal wie du draußen unterwegs bist: Ob auf Ski oder Snowboard, mit dem Mountainbike, Gravel- oder Rennrad, oder einfach zu Fuß: Wälder sind alles. Weil wir Menschen sind. Aber auch weil sie unsere Trails kühlen, uns vor Steinschlag schützen, unsere Wege stabilisieren, Lawinenanbrüche verhindern und damit die Grundlage für sichere Touren schaffen – und weil ohne gesunde Wälder unsere Winter, unsere Linien und unsere gesamte Outdoor-Erfahrung zunehmend unsicher und unberechenbar werden.
Quellen:
Quelle:
https://ihrs.ibe.med.uni-muenchen.de/team/wiss_mitarbeiter/immich/friedmann2018_heilwirkung_wald.pdf
https://www.bmluk.gv.at/themen/wald/wald-und-klima/der-wald-als-klimaschuetzer.html / https://science.orf.at/stories/3227678/ / https://www.derstandard.at/story/3000000270287/der-wald-stoesst-mehr-co2-aus-als-er-aufnimmt-wie-kehrt-man-den-trend-um
https://www.bfw.gv.at/waldwissen-forschung/wissen-rund-um-den-wald/

