Klimafreundliches Reisen geht nicht? Gibt’s nicht! Hier sind unsere Tipps für einen umweltfreundlichen Urlaub

Urlaub und Reisen ist etwas Wunderbares – es gibt uns Freiheit, lässt uns entspannen, bringt uns andere Kulturen näher und lässt uns Abenteuer erleben. Doch wie steht es bei einem Urlaub eigentlich um unseren ökologischen Fußabdruck? Dass Reisen Auswirkungen auf die Umwelt hat und das Klima nachweislich schädigt, ist in Zeiten weltweiter Klimakatastrophen und globaler Erderwärmung keine Überraschung mehr. Doch es gibt Möglichkeiten, Reisen und Klimaschutz zu vereinen und dennoch seinen Urlaub zu genießen. Hier haben wir ein paar hilfreiche Tipps für euch zusammengestellt, damit ihr euren nächsten Urlaub klimafreundlicher und nachhaltiger gestalten könnt. 

Das hier ist by the way nur der erste Beitrag aus einer Reihe zu verschiedenen Themen & Tipps für Klima- und Umweltfreundlicheres Reisen, die wir euch in den nächsten Wochen präsentieren werden. Wir hoffen, dass wir euch damit ein wenig Inspiration, Hilfeleistung und Motivation für euren Sommer geben können! Schaut also gerne öfters auf unserem Blog und auch auf unserem Instagram Kanal @protectourwintersaustria vorbei…

Belastungen der Umwelt durch den Tourismus sind vielfältig und werden häufig unterschätzt. Dabei ist insbesondere die motorisierte Fortbewegung, um in den Urlaub zu kommen, für einen wesentlichen Anteil des CO2-Verbrauchs verantwortlich und macht Reisen bzw. Urlauben schnell zum klimaschädlichen Freizeitvergnügen. Aber nicht nur die hohe CO2-Belastung, auch der Verbrauch von Wasser und Gütern, das Abfallaufkommen, die Zerstörung von Lebensräumen und der Verlust biologischer Vielfalt durch beispielsweise den Bau von Hotels oder Verkehrsinfrastrukturen sind schwerwiegende Treiber für unsere Umwelt. Ca. fünf Prozent aller klimaschädlichen Emissionen weltweit entstehen allein durch den Tourismus. Hiervon fallen 40 Prozent auf Flugreisen, 32 Prozent auf den Autoverkehr und 21 Prozent auf die Unterkünfte.

Das hier sind nur einige Gründe, weshalb es so wichtig ist, sich die Frage zu stellen, wie man umwelt- und klimaschonend Verreisen kann. Nachfolgend findet ihr noch ein paar mehr Gründe und Tipps, um euren nächsten Urlaubklimafreundlicher und nachhaltiger zu gestalten

Tipp 1: Das Reiseziel – besser nah als fern!

Im Tourismus resultieren die meisten und stärksten Umweltbelastungen insbesondere aus der An- und Abreise. Deswegen ist für einen klimafreundlichen Urlaub zum einen entscheidend, wie weit das Urlaubsziel entfernt ist, aber auch wie der Weg zurückgelegt wird. Für die Entfernung gilt: je näher das Urlaubsziel, desto nachhaltiger. Es müssen nicht immer weit entfernte Länder und andere Kontinente sein, um in Urlaubsstimmung zu kommen, auch in Österreich oder Europa generell liegen unglaublich schöne Urlaubsziele, die Erholung, Abenteuer, Berge, Strand und jede Menge Sehenswürdigkeiten bieten. Und das auch unter einer Entfernung von 1.000 Kilometern. Warum also nicht ein Urlaub in oder in der Nähe der eigenen Heimat? Was es beispielsweise in Österreich alles zu entdecken gibt, erfahrt ihr bald in einem weiteren Beitrag hier auf unserem Blog. 

(c) Simon Beizaee

Tipp 2: Wahl der Verkehrsmittel für An- und Abreise

Wie bereits erwähnt, spielt aber nicht nur das Reiseziel selbst, sondern auch der Weg dahin, also die Wahl der Verkehrsmittel, eine große Rolle für einen nachhaltigen und klimaschonenderen Urlaub. Dass die CO2-Bilanz von Flugreisen mit Abstand am schlechtesten abschneidet, sollte mittlerweile klar sein und wird jedes Jahr aufs Neue belegt. Das zeigt auch die neue VCÖ-Publikation „Klimafaktor Reisen“. So wird hier angegeben, dass beispielsweise ein Spanienurlaub mit dem Flugzeug rund fünfmal so hohe CO2-Emissionen verursacht wie ein Italienurlaub mit dem Auto, neunmal so hohe Emissionen wie ein Österreich-Urlaub mit dem Auto und sogar 16-mal so hohe Emissionen wie ein Österreich-Urlaub mit der Bahn, so die VCÖ-Analyse auf Basis von Daten des Umweltbundesamts.

Auch Kreuzfahrten sind sehr umweltbelastend. Nach einer Berechnung des NABU (2011) werden von einem Kreuzfahrtschiff genauso viele Schadstoffe ausgestoßen wie von fünf Millionen Autos auf gleicher Strecke.

Wenn sich eine Flugreise oder Kreuzfahrt nicht vermeiden lässt, sollte der Urlaub entsprechend länger dauern oder die CO2-Emissionen wenigstens durch freiwillige Kompensationszahlungen ausgeglichen werden, die über Plattformen wie Atmosfair oder MyClimate geleistet werden können. Damit werden Klimaschutzprojekte finanziert, in denen die entsprechende Menge an Treibhausgasen eingespart wird. Zwar ist der Ausgleich umstritten und man sollte sich vorher nochmal genauestens über die Initiativen informieren, dennoch ist es immer noch besser als gar nichts zu machen. 

(c) Simon Beizaee

Doch auch Autos sind natürlich ein enorm treibender Sektor im CO2-Verbrauch. In Österreich zählt der Verkehrssektor zu den Hauptverursachern für Treibhausgasemissionen und ist bekanntlich schon lange das Sorgenkind der Nation. Im Jahr 2019 kam es laut Umweltamt, so wie bereits in den drei Jahren zuvor, zu einer deutlichen Überschreitung des Zielwertes mit + 2,3 Mio. Tonnen CO2- gegenüber dem Zielwert von 2019 und der Wert steigt weiter an. Ohne die CO2-Emissionen aus dem nationalen Flugverkehr, welche hier nicht berücksichtigt werden, betragen die THG-Emissionen aus dem Verkehrssektor in Österreich gesamt allein ca. 23,6 Mio. Tonnen CO2. Solltet ihr doch mit dem Auto unterwegs sein, denkt doch einfach daran es so effizient wie möglich zu besetzen oder auch Car-Sharing zu nutzen.

Nutzt öffentliche Verkehrsmittel und entdeckt noch mehr auf euren Reisen!

Deutlich umweltschonender ist die Fortbewegung per Bahn oder Bus. Das Bahnnetz der ÖBB ist recht gut ausgebaut und es gibt unterschiedliche und auch günstige Angebote, besonders wenn man im Inland verreisen will. Mit der Homepage www.oebb.at/entdecken gibt es ein umfassendes Portal mit Angeboten für Urlaub und Ausflüge in Österreich – ein „Hub“ für alle Österreich-Entdecker*innen. Aber auch wenn es etwas weiter raus sein soll, kann man mit dem ÖBB Nightjet bequem und flott viele Destinationen in Europa erreichen. Es kostet euch vielleicht nur ein wenig mehr Zeit für die Recherche, aber an sich ist es eine super Alternative, euer Urlaubsabenteuer startet bereits, wenn ihr in den Zug einsteigt und ihr werdet sicherlich mehr entdecken. Gerade in den letzten Jahren haben auch Fernbusse ihr Netz stetig erweitert und bieten eine kostengünstige Reisevariante. Wer es sportlicher mag, kann auch darüber nachdenken, eine „Bikepacking“ Tour zu starten, d.h. komplett mit dem Fahrrad zu reisen und öffentliche Verkehrsmittel zur Unterstützung zu nutzen.

Detaillierte Tipps für die Anreise & Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, erfahrt ihr demnächst ebenfalls in einem weiteren Beitrag hier auf unserem Blog. 

Tipp 3: Umweltfreundlich übernachten

Auch bei der Wahl der Unterkunft lässt sich ein Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ihr könnt beispielsweise darauf achten, ob die Unterkunft ein Ökosiegel hat, besondere Anstrengungen zu Energiesparmaßnahmen betreibt, vielleicht nutzt die Unterkunft Solar-Panel und hat vielleicht eigenen eigenen Anbau oder bietet Bio- bzw. regionale oder auch vegetarische Küche an. Nachhaltige und umweltfreundlich aufgestellte Unterkünfte lassen sich oft an speziellen Zertifizierungen erkennen. Einen Überblick über Ökosiegel im Tourismus bietet die von der EU geförderten Plattform Destinet. Die Bekanntesten sind die „Bio-Hotels“ sowie jene, die das österreichische Umweltzeichen tragen. Die Auszeichnung wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Region und Tourismus verliehen und kontrolliert. Ausgezeichnete Hotels findet man beispielsweise auf www.umweltzeichen-hotels.at.

(c) Patrick Hendry/Unsplash

Eine gute Alternative zu Hotels und Apartments ist Campen. Und auch hier könnt ihr bei der Auswahl der Camping-Plätze darauf achten, ob diese einen besonderen Wert auf ökologische und energieeffiziente Betriebsführung legen. Unter GreenCampings.at findet ihr beispielhaft ein paar Campingplätze in Österreich, die besonders darauf achten, umweltschonend zu handeln und auch mit dem Österreichischen- und Europäischen Umweltzeichen ausgezeichnet sind. 

Tipp 4: Aktivitäten vor Ort

Egal, wo du bist – auch vor Ort kannst du nahezu jede Urlaubsregion komplett emissionsfrei per Rad oder zu Fuß entdecken. Zwar bist du dann vielleicht langsamer als mit motorisierten Transportmitteln unterwegs, du wirst aber die Gegend viel besser und intensiver erkunden können. Geht es um die Auswahl der Aktivitäten vor Ort gibt es auch hier nachhaltigere als andere, aber generell wirst du weltweit unzählige Möglichkeiten für verschiedenste Aktivitäten mit geringem Umwelteinfluss finden. Warum also nicht mal einen Tagestrip mit dem Rad machen, eine Wanderung einschieben, mit einem SUP auf dem Wasser paddeln oder auf einer Kanutour die Gegend entdecken? Die Möglichkeiten sind vielfältig. 

Tipp 5: Müll im Urlaub vermeiden

Achte darauf, sensible Ökosysteme durch angepasstes Verhalten zu schonen und auf keinen Fall deinen Müll einfach achtlos in der Natur liegen zu lassen. Außerdem solltest du, wie auch Zuhause, deinen Müll im Urlaub generell reduzieren. Achte zum Beispiel darauf, nicht zu viel Verpackungsmaterial zu nutzen und verwenden im Idealfall auch keine Plastiktüten für Obst und Gemüse. Nimm dir stattdessen einen Obstbeutel mit oder steck dir immer einen Not-Jutebeutel ein. Der nimmt nicht viel Platz weg. Anstatt zu Einwegflaschen zu greifen, macht es Sinn, seine eigene Trinkflasche mitzunehmen und mit frischem Wasser aufzufüllen. Du kannst auch deinen Papiermüll reduzieren, indem du dir digitale Tickets für Bahn & Bus oder auch diverse Eintrittskarten ausstellst. Du musst nicht gleich einen Zero-Waste-Urlaub daraus machen, aber einfach bewusst mit Müll und deinem verhalten umgehen. 

Das waren jetzt ein paar Tipps, die dir helfen können. Klar, gibt es noch viel mehr, aber das würde den Rahmen sprengen. Wir hoffen aber in jedem Falle, dass wir dich so schon mal ein wenig inspiriert und motiviert haben! Wir wünschen dir auf jeden Fall eine wundervolle Reise!

(c) Holly Mandarich/Unsplash

Quellen:

Author: Nadja Schmidt