Olympia Statement POW x fairplay

Ein gemeinsames Statement von POW AT, DE, CH sowie von der fairplay Initiative zu den Olympischen Winterspielen 2016 in Milan – Cortina.

Die Olympischen und Paralympischen Winterspiele sind der Höhepunkt des Sports. Für viele Athlet:innen sind sie der wichtigste Moment ihres Lebens, das Ergebnis jahrelanger Trainings, großer Opfer und echter Leidenschaft. Die Spiele begeistern Millionen von Menschen weltweit, zeigen sportliche Höchstleistungen und machen erlebbar, welche verbindende Kraft Sport haben kann. Protect Our Winters und fairplay erkennen diese Bedeutung ausdrücklich an und schätzen die Rolle der Olympischen Bewegung in der globalen Sportkultur.

Gleichzeitig finden Winterspiele in Regionen statt, die bereits massiv unter der Klimakrise leiden. Alpine Räume erwärmen sich deutlich schneller als der globale Durchschnitt, die Schneesicherheit nimmt ab  und sensible Ökosysteme geraten immer stärker unter Druck. Deshalb ist klar: Olympische & Paralympische Winterspiele im Jahr 2026 dürfen sich nicht allein an sportlichem Erfolg messen. Sie müssen Verantwortung übernehmen – für ihre Klimaauswirkungen und für das, was sie langfristig hinterlassen.

Mobilität & Transport

An- und Abreise sowie Transport vor Ort gehören zu den größten Klimatreibern von Sportgroßveranstaltungen. Milano Cortina 2026 verteilt sich über ein weites Gebiet, wodurch das Risiko hoher Emissionen durch Reisen und Logistik steigt. Aus Sicht von POW und fairplay braucht es deshalb einen klaren Fokus auf klimafreundliche Mobilität:

  • Eine deutliche Abkehr vom Individualverkehr hin zu Bahn und öffentlichem Nahverkehr
  • Attraktive und einfache Anreize für Zuschauer:innen, Mitarbeitende und Partner, klimafreundlich anzureisen
  • Transparente Offenlegung der verkehrsbedingten Emissionen sowie konkrete, überprüfbare Reduktionsziele

Die Spiele sollten zeigen, wie Großevents innerhalb ökologischer Grenzen funktionieren können – und nicht neue, autoabhängige Strukturen in ohnehin sensiblen Bergregionen schaffen oder festigen.

Nachhaltige Infrastruktur & langfristiges Vermächtnis

Wir begrüßen das Ziel, bestehende Sportstätten zu nutzen und neue Bauprojekte auf ein Minimum zu beschränken. Dieses Prinzip muss jedoch konsequent und nachvollziehbar umgesetzt werden. Neue oder temporäre Infrastruktur sollte nur dann entstehen, wenn sie:

  • Einen klaren und langfristigen Nutzen für die lokale Bevölkerung hat – in enger Abstimmung mit den Gemeinden
  • Weitere Abholzung, Bodenversiegelung und Schäden an alpinen Ökosystemen vermeidet
  • In regionale Strategien zur Klimaanpassung und Resilienz eingebettet ist

Nachhaltigkeit zeigt sich nicht allein auf dem Papier oder während der Bauphase. Entscheidend ist, ob diese Infrastruktur auch Jahrzehnte später noch sinnvoll, genutzt und verantwortbar ist. Leider wurden einige dieser Punkte im Rahmen der Vorbereitungen für Milan Cortina klar verabsäumt.

Symbolbild – (c) Christoph Jorda

Sponsoring, Sportswashing & die Glaubwürdigkeit der Spiele

Sponsoring ist nie neutral. Wenn Unternehmen aus der fossilen Energiebranche mit Olympischen und Paralympischen Winterspielen in Verbindung stehen, entsteht zwangsläufig das Risiko von Sportswashing. Die positiven Bilder von Spitzensport, Zusammenhalt und Fairness werden genutzt, um Geschäftsmodelle aufzuwerten, die die Klimakrise direkt vorantreiben – und damit genau den Wintersport gefährden, den die Spiele feiern.

Die Partnerschaft zwischen Milano Cortina 2026 und Eni macht diesen Widerspruch deutlich. Während Schnee, Eis und alpine Landschaften inszeniert werden, bauen fossile Konzerne ihre Aktivitäten weiter aus und beschleunigen deren Verlust.

Wir sind überzeugt: Dieser Konflikt lässt sich nicht durch Kommunikation oder einzelne Nachhaltigkeitsprojekte lösen. Es braucht einen klaren strukturellen Bruch. Milano Cortina 2026 sollte ein Wendepunkt sein und kein Präzedenzfall. Für zukünftige Spiele, insbesondere ab 2030, muss die Olympische & Paralympische Bewegung verbindliche Sponsoring-Kriterien festlegen, die Unternehmen ausschließen, deren Kerngeschäft auf der Förderung und Ausweitung fossiler Energien basiert.

Wenn Olympische & Paralympische Winterspiele in einer von Klimagrenzen geprägten Welt glaubwürdig bleiben wollen, dürfen sie ihre Plattform nicht länger für Reputationspflege fossiler Geschäftsmodelle zur Verfügung stellen. Stattdessen müssen kommerzielle Partnerschaften mit Klimawissenschaft, dem Pariser Abkommen und einer gerechten Energiewende vereinbar sein. Davon hängt die Integrität der Spiele und die Zukunft des Wintersports ab.

Abfall & Ressourcennutzung

Großveranstaltungen produzieren enorme Mengen an Abfall. Milano Cortina 2026 sollte hier neue Standards setzen, indem:

  • Abfallvermeidung klar vor Recycling gestellt wird
  • Kreislaufsysteme für Verpflegung, Materialien und Merchandising konsequent umgesetzt werden
  • Einwegplastik so weit wie möglich vermieden wird
  • Offen und transparent über Abfallmengen und deren Entsorgung berichtet wird

Ressourceneffizienz ist keine freiwillige Zusatzleistung mehr, sondern eine grundlegende Voraussetzung.

Mehr als nur „weniger Schaden anrichten“

So wichtig es ist, Emissionen und Umweltschäden zu reduzieren – die Klimakrise erfordert mehr als Schadensbegrenzung. Die Olympischen & Paralympischen Spiele bieten eine einzigartige globale Bühne, um:

  • Wissen über die Klimakrise und konkrete Lösungen sichtbar zu machen
  • Athlet:innen als glaubwürdige Stimmen für Klimaschutz zu stärken
  • Veränderungen in Sport, Mobilität und Energiesystemen aktiv einzufordern

Aus Sicht von POW und fairplay sollten die Spiele nicht nur versuchen, „weniger schlecht“ zu sein, sondern aktiv dazu beitragen, den Wandel hin zu einer klimasicheren Zukunft zu beschleunigen.

Menschenrechte & institutionelle Verantwortung

Auch das Thema Menschenrechte ist bei Sportgroßveranstaltungen immer – auf unterschiedliche Art und Weise – präsent.

Aktuell sehen wir die geplante Einbindung bzw. Präsenz der US-amerikanischen Einwanderungs- und Zollbehörde ICE im Kontext der Olympischen & Paralympischen Winterspiele äußerst kritisch und lehnen diese entschieden ab. ICE steht seit Jahren wegen systematischer Menschenrechtsverletzungen in der Kritik, darunter willkürliche Inhaftierungen, Familientrennungen und die Kriminalisierung von Migration. Eine Zusammenarbeit mit oder Sichtbarkeit solcher Institutionen widerspricht den olympischen & paralympischen Werten von Menschenwürde, Inklusion und internationaler Solidarität. Die Olympischen & Paralympischen Spiele müssenein Raum sein, der verbindet – nicht einer, der Angst, Ausgrenzung oder strukturelle Gewalt legitimiert. Es bedarf daher einer klaren und öffentlichen Distanzierung der Winterspiele und aller Akteur:innen von menschenverachtenden Institutionen!

Ein konstruktiver Blick nach vorn

Protect Our Winters und fairplay sind überzeugt: Anerkennung und Kritik schließen sich nicht aus. Wir feiern die Athlet:innen, die Wettkämpfe und die inspirierende Kraft der Olympischen & Paralympischen Bewegung. Gleichzeitig fordern wir Veranstalter, Verbände, Sponsoren und politische Entscheidungsträger:innen dazu auf, aus Milano Cortina zu lernen. Fehler und Versäumnisse dürfen sich nicht wiederholen. Olympische & Paralympische Winterspiele müssen zu einem glaubwürdigen Beispiel für Klima- und Menschenrechtsverantwortung im Wintersport werden.

Denn die Zukunft der Olympischen & Paralympischen Winterspiele hängt untrennbar mit der Zukunft des Winters selbst zusammen. Wenn Athlet:innen auch in Zukunft ihre Träume auf Schnee und Eis verfolgen sollen, müssen diese Lebensräume geschützt werden – und dürfen nicht im Namen der Spiele geopfert werden.

Mehr Infos zu unserem gemeinsamen Projekt mit fairplay – GAME ON